Eine kleine Chronik über Berbisdorf

Berbisdorf 1357 erstmals beurkundet

Aus einer kleinen Ansiedlung eingewanderter Bauern aus Franken und Westfalen ist im Laufe der Jahrhunderte unser jetzt ca. 900 Einwohner zählendes Dorf entstanden. Die ersten Siedlungen gruppierten sich wahrscheinlich um das im Entstehen begriffene Rittergut. Das heutige Schloss war ursprünglich eine einfache Wasserburg, die der Burg Meißen als vorgeschobener Stützpunkt gegen die Slawen diente. Das Jahr ihrer Erbauung könnte man um 1100 herum annehmen, ist jedoch urkundlich nicht nachzuweisen.

Im Jahre 1357 wird unser Ort erstmals in einer Urkunde unter dem Namen Berwygisdorf, das heißt Dorf des Berwyg, genannt. Der Name wurde im Laufe der folgenden 200 Jahre noch einige Male abgewandelt. Erst um 1545 taucht unser heutiger Name Berbisdorf auf.

Bei einer Zählung im Jahre 1547 wohnen in Berbisdorf "31 besesene Mann" (Wirtschaftsbesitzer), denen 21 hf=Hufen gehören. Sie mussten neben ihrem eigenen Acker noch den der Gutsherrschaft bestellen.

Um 1600 gehörte Berbisdorf dem Radeburger Junker Günter von Bünau. Die Bewohner waren deshalb sehr von Radeburg abhängig. Die Schule, die Kirche und der Friedhof waren in Radeburg und mussten von den Berbisdorfern benutzt werden.

nach oben

Berbisdorf war 388 Jahre selbständige Gemeinde

Erst 1605 begann durch den Kauf Berbisdorfs durch Peter Joachim von Zeidler (nach ihm sind die heutigen Zeidlerteiche = Zeitelteiche benannt) ein Eigenleben der Berbisdorfer. Berbisdorf wurde damit selbständige Gemeinde.

Im Jahre 1612 wurde der Friedhof geweiht und die erste Leiche auf Berbisdorfer Flur (s. Kirchenbuch) begraben. Gleichzeitig stellte der Gutsherr den Schlossboden als Betsaal zur Verfügung. Eine eigene Kirche erhielten die Berbisdorfer erst im Jahre 1842. Der Glockenturm wurde bereits 1711 erbaut und gleichzeitig als Wachturm genutzt.

nach oben

Krieg, Pest und immer wieder Neuaufbau

Der 30-jährige Krieg hinterließ auch in Berbisdorf seine Spuren. 1632 wird ein Soldat aus Wallensteins Volk auf dem hiesigen Friedhof begraben. Im Kirchenbuch ist folgender Stoßseufzer des Lehrers zu lesen: "Wenn soche geselln gleich alle stürben."

Von 1632 - 1634 wütet die Pest in Berbisdorf. 117 Personen sterben in einem Jahr. Das war fast die Hälfte der Einwohner.

Die Schweden überfallen den Ort, rauben, plündern und brennen viele Anwesen nieder.

Auch im 7-jährigen Krieg mussten die Berbisdorfer Bauern die Last preußischer Einquartierung ertragen. Sie mussten die Soldaten beköstigen und ihre Pferde mit Futter versorgen. Im Mai 1760 liegt der Obrist von Stange mit seinen Soldaten in Berbisdorf.

Im Jahre 1803 wird ein gerodetes Kiefernwäldchen in 10 Teile geteilt. Jedes Teil ist 42 Dresdner Ellen breit und 240 Ellen lang. Es entstand der jetzige Anbau. 1806 zählte man dort bereits 70 Bewohner.

Auch während der Befreiungskriege 1813/14 ziehen oft Truppen durch Berbisdorf. Am 7. November 1813 werden zwei "Mannpersonen von der Kayserlich Russischen Landwehr im Scharmützel bei Boxdorf verwundet, hier gestorben und begraben."

Unsere heutige Chaussee (Hauptstraße) wurde 1845 durch Berbisdorf gebaut. Damit war eine bessere Fahrmöglichkeit für die Bauern geschaffen, wenn sie nach Dresden zu Markte fuhren.

Seit 1884 bimmelt auch unsere nicht mehr wegzudenkende Kleinbahn. Lange hatte man gebraucht, ehe die Berbisdorfer Gemeindeväter zustimmten, dass die Bahn am Friedhof vorbeiführen durfte. Sie waren der Meinung, dass dies die Ruhe der Toten störe.

Berbisdorf wurde immer größer. Waren es 1814 nur 379 Einwohner, so waren es bereits im Jahre 1900 ca. 800 Bewohner. Heute zählt unser Dorf rund 850 Einwohner.

Mit der Enteignung und Aufteilung des Rittergutes im Jahre 1945 wurden ehemalige Landarbeiter und Umsiedler Besitzer von eigenem Grund und Boden. Im April 1953 schlossen sich einige Bauern zu einer LPG zusammen und bestellten ihre Felder gemeinsam. 1960 folgte die Zwangskollektivierung. Es entstanden zwei weitere LPG. 1967 traten die Genossenschaften der großen LPG "Johannes R. Becher" bei.

Von 1974 bis 1990 wurde das Schloss als Internat und Ausbildungsstätte für Lehrlinge der LPG genutzt.

nach oben

Schulgebäude

Seit 1539 konnten lernwillige Kinder die Schule in Radeburg zusammen mit Kindern aus Radeburg und Großdittmannsdorf besuchen. Damals unterrichtete in der Schule Radeburg ein einziger Schulmeister, der von dem Küster unterstützt wurde, alle lernfreudigen Kinder. Das 1. Schulgebäude in Berbisdorf wurde im Jahre 1616 geweiht. Es stand in der Nähe des Schlosses zwischen der Promnitz und dem Kriegerdenkmal. Es war ein aus Holz mit Lehm verkleidetes einstöckiges Gebäude mit einem Strohdach. Der erste Lehrer, Peter Müller, unterrichtete die Kinder in seiner Wohnstube. Nach dem Unterricht musste er sein Vieh versorgen und seine Felder bestellen. Im Jahre 1831 wurde dann oberhalb des Schafteiches eine weitere Schule gebaut und eingeweiht. In diesem 2. Schulgebäude wurden die Berbisdorfer Kinder bis 1893 beschult. Bis vor kurzem wurde dieses alte Schulgebäude als Wohngebäude benutzt.

Mittlerweile war in Sachsen die allgemeine Schulpflicht eingeführt worden und die Anzahl der Kinder nahm zu, so dass eine größere Schule erforderlich wurde.

Die heutige Schule, das 3. Schulgebäude wurde am 16. Oktober 1893 eingeweiht und fortan benutzt. Sie besaß damals zwei große Klassenzimmer für jeweils 40 Schüler. Im Obergeschoß befanden sich die Wohnungen für Lehrer.

Als Lehrer wirkte bis zum 1. Weltkrieg Kantor Hugo Schimmel, der von einem weiteren Lehrer unterstützt wurde. Bis zu Beginn des 2. Weltkrieges unterrichteten 2 ständige Lehrer, Kantor Walter Jacob und Lehrer Fritz Wiesenthal sowie ein Hilfslehrer die Berbisdorfer Kinder.

Nach den Kriegswirren wurde im Oktober 1945 der Schulunterricht wieder aufgenommen. Als Lehrkräfte waren anfangs Frl. Kozlecki und Frl. Hruschka tätig. Nach Entlassung dieser beiden Lehrerinnen (Mitglieder von NS-Organisationen) übernahmen die Stellen Herr Karl Eichhorn und Herr Walter Stephan. Es wurden das 1. und 2., das 3. und 4., das 5. und 6. sowie das 7. und 8. Schuljahr in je einem Klassenzimmer zusammen unterrichtet. Der Abteilungsunterricht mit ca. 40 Schülern forderte von den Lehrern pädagogisches Geschick, Geduld und viel Fleiß. Im Zuge der Schulreform wurde der Abteilungsunterricht nach und nach abgeschafft. Durch Um- und Neubauten wurden in freiwilliger Arbeit der Berbisdorfer Einwohner in den folgenden Jahren weitere 5 Klassenzimmer sowie eine neue Turnhalle und 2 Horträume geschaffen, so dass jedes Schuljahr einzeln geschult werden konnte. Den freiwilligen Aufbauhelfern sei an dieser Stelle für die vielen unbezahlten Arbeitsstunden nochmals herzlich gedankt.

Im Laufe der späteren Jahre wurde unsere 8-klassige Grundschule zu einer 10-klassigen polytechnischen Oberschule ausgebaut, die auch von den Schülern aus Bärnsdorf und Volkersdorf besucht wurde. Seit 1950 trug unsere Schule den Namen des Dichters Johannes R. Becher.

Ende des Schuljahres 1991/92 wurde die 10-klassige polytechnische Oberschule aufgelöst. Es entstand eine 4-klassige Grundschule, die von Kindern aus Berbisdorf, Bärnsdorf und Volkersdorf bis Juli 2004 besucht wurde.

nach oben